i ain’t gonna be the first to cry

Eigentlich sollte es mir besser gehen als jemals zuvor. Um es ganz krass zu formulieren natürlich. Ich werde gemocht, umgarnt, beeindruckt. Meine Zeit verbringe ich mit einem wohltuenden Wesen und es ist paradiesisch. Ich sollte jeden Augenblick genießen, voll auskosten, glücklich sein und mich darüber freuen. Aber ich kann nicht. Es ist wie eine Mauer, die ich mir täglich mit einem neuen Backstein Stück für Stück aufbaue, um mich zu schützen und mir gleichzeitig zu schaden. Umso weniger ich mich öffne, desto weniger wird es wehtun. Am liebstem würde ich mir einen solchen Backstein in die Fresse hauen, damit ich endlich mal den Kopf frei kriege und diese beschissenen Gedanken aus meinem verkorksen Hirn raus prügeln kann. Wenn das so einfach wäre…

Es könnte aber so einfach sein. Die Zeit mit diesem Wesen genießen, Urlaub mit es machen, tolle Dinge erleben, alles um mich herum vergessen, die Nähe spüren und nie wieder missen wollen. Es könnte so einfach sein, so schön. Eben paradiesisch. Mein Kopf macht nicht mit, er hinkt hinterher mit einer Tonne Ballast, der sich in den Teerboden gräbt und mich ausbremst, mich daran hindert, in Fahrt zu kommen. Schleppt alles mit, was ich nicht mehr haben will. Wie eine fette Mücke, die ständig um das Ohr braust und zu Tode nervt und ums verrecken nicht abhauen will. Klatsch die Mücke endlich tot. Etliche Metaphern würden mir dazu einfallen. Aber ich habe keine Idee, wie ich das los werde.

Sonnenuntergang

Man muss sich erst selbst lieben, um geliebt zu werden – so heißt es doch immer. Wie kann ich mich selbst lieben – oder im wesentlichen anerkennen, wenn es jemanden gibt, der mir alles genommen hat, was ich jetzt brauchen würde, um lieben zu können? Um geliebt werden zu können? Im Leben jeder Frau – oder fast jeder – gibt es einen einzigen Mann, dessen Achtung, Anerkennung, Liebe, Zuwendung und Stolz am wichtigsten und am elementarsten und der schönste Balsam für die Seele ist. Nur einen einzigen. Diesen Balsam kann ihr kein anderer Mann ersetzen, wie sehr es auch versucht wird. So lang ich auch suche und versuche und danach giere, endlich das zu bekommen, was mir als Kind zustand, ich werde es nicht kriegen. Ich kniete auf dem Boden, schrie lauthals nach Liebe und Anerkennung und bekam Barbies, Fahrräder und noch mehr Lego. Und dann war er irgendwann weg. Ist gegangen und kam jahrelang nicht mehr zurück. Scherte sich einen Dreck. Ich will keine Geschenke, kein Geld oder sonst irgendwas. Ich will einfach nur, das du Stolz auf mich bist. Einige Zeit später wiederholte es sich, nur ohne Präsente. Er kam, hob sich stolz in die Lüfte, scherte sich einen Dreck und ging wieder fort. Wie kann man mit solch einer abartigen Ablehnung erwarten, einem anderen Mann vertrauen zu können? Wieso es mir schlecht geht, fragt das Paradies. Weiß ich nicht, antworte ich. Weiß ich, ganz genau.

Die Angst vor Verlust schwingt mit. Ewig. Wiege ich mich in den Armen des Paradieses genieße ich diesen Augenblick nicht. Ich trauere ihm hinterher, obwohl er noch nicht einmal vergangen ist. Habe Angst davor, dass es irgendwann wieder aufhört und sich nicht wiederholt, dass es gehen wird und ich wieder allein bin. Allein in einer fremden Stadt ohne Freunde. Und ich wieder von vorne anfangen muss. Was mir nicht leicht fällt. Ich brauche Sicherheit, mehr als alles andere. Brauche jemanden, der mich lenkt, mich auffängt. Kontrolle über meine Gefühle und die meines Gegenüber. Will wissen, genau wissen, was gefühlt wird. Ich will wissen, wo ich in drei, fünf oder zehn Jahre stehe, und vor allem mit wem. Ich will mir sicher sein, dass mich das Paradies nicht verlässt und ich mich einfach fallen lassen kann. Vertrauen kann.
Jemand, dem ich traue und Psychologie studiert hat, sagte mir: Wenn Sie keine Signale aussenden, dass Sie es sicher wollen und sich öffnen möchten, wie können Sie erwarten, das er bei Ihnen bleiben wird und Ihnen vertraut? Recht hat sie. Aber wie soll ich mich öffnen, wenn das die größte Hürde überhaupt ist? Es ist ein Teufelskreis. Ich habe Angst davor, Signale auszusenden. Sie könnten nicht erwidert werden. Oder ungewollt sein. Oder irgendwann einfach gehen. Dann habe ich mich fallen lassen und falle auf den harten, aufgerissenen Teerboden. Ich will damit nicht sagen, dass ich wohlmöglich mein finales Paradies gefunden habe oder es erzwingen will. Ich möchte es nur zulassen und gucken, ob es das vielleicht wäre. Sonst werde ich ewig kniend betteln und gleichzeitig meine Arme schützend vor meinem Herz verschränken und niemanden an mich ran lassen. Wie gern ich in Köpfe und Herzen reinsehen können würde. Um mich in Sicherheit zu wiegen und mich fallen zu lassen. Bitte, lieber Gott. Schenk mir die Kraft, die ich brauche, um Vertrauen zu können und glücklich zu werden. Nimm mir meine Traurigkeit und meine Angst und schenk mir eine leichte und erfüllende Zeit mit meinem Paradies. Amen ♡

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